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Theater

Der Falter im Spinnennetz

Eine zweitausendjährige Komödie

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Autor: Klauspeter Bungert
Besetzung: Damen 1 / Herren 10
Dauer: abendfüllend
CANTUS Empfehlung: 11 Darsteller (10 H, 1 D) für 14 Rollen (12 H, 2 D)
für erfahrenes Amateurtheater geeignet
Was wäre, wenn der geschichtliche Jesus, in einer Art Dantescher Wanderung durch die Welten, erleben müsste, was die Menschen aus ihm machten? Er wäre verzweifelt. Mit Mitteln der Satire und Sympathie für die unbefangen aus den Quellen filtrierte Gestalt wird diese gegen die Legenden ausgespielt und verteidigt, die sie ersticken. Ein Appell, überhaupt menschlich miteinander umzugehen, dadurch dass wir einander gelten lassen, als das was wir sind: Menschen! – Einfach „Göttlich“

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Besetzungsliste

Personen im Himmel:
JESUS, 33
SAUL (Paulus), 50; mit kürzerem linken Bein
MARIA Magdalena, 28
König AGRIPPA, 65
ein GEHEILTER aus Nazareth, 61
MARKUS, 30

Personen im Fegfeuer:
KEPHAS (Simon Petrus), 60; cholerischer Zottelbart
MATTHÄUS, Evangelist, 70
LUKAS, Evangelist, 50
JOHANNES 1, Koautor des „Johannes“-Evangeliums, 45
Pontius PILATUS, 61; Vollglatze

Personen auf der Erde:
eine Altenpflegerin, 28 (FRAU)
ein Altenpfleger, 30 (PFLEGER)

Doppelrollen:
MARIA / FRAU
GEHEILTER / PILATUS
MARKUS / PFLEGER



Ausführliche Synopsis

Wie in Dantes Epos „Die Göttliche Komödie“ wird der Zuschauer Zeuge eines Rundgangs durch drei Welten. Aber die Reihenfolge ist vertauscht: erst der Himmel, dann das Fegfeuer, und Hölle gibt es nicht, Hölle wäre der Erhabenheit Gottes nicht würdig, da Ausweis fundamentaler Kritik am eigenen Werk. Der Rundgang endet bescheiden auf einer Krankenstation irgendwo auf der Erde.

I,1 und 3: Jesus Christus erwacht an der Seite von Saul-Paulus im Paradies aus einem Alptraum. Dieselben Menschen quälen ihn im Traum, die ihn im Leben voller Erwartungen in Massen heimsuchten und mit ihren überzogenen und zunehmend uneinlösbaren Forderungen bedrängten. Denn er ist und war nie etwas anderes als ein Mensch und nichts bedrückt ihn mehr als die Tatsache, zu etwas anderem erklärt und aus der Gemeinschaft der Normalbürger dieser Erde ausgeschlossen worden zu sein.
Mit daran schuld war der Völkerapostel Paulus, der nicht nur darunter leidet, daß Jesus ihn in seiner Schlaftrunkenheit ständig mit Kephas-Petrus verwechselt, sondern mehr noch, daß er an Jesu menschlicher Existenz schmählich wenig Interesse zeigte. Aber er ignorierte den Menschen in bester Absicht und landete darum nach dem Tod, wenn auch nur knapp, im Paradies. – Dort leben auch Maria Magdalena, die schöne Exprostituierte, zahm geworden durch die Liebe zu ihrem friedlichen und gar nicht fürs exklusive Lieben geschaffenen Jesus, der Evangelist Markus (I,7), ein Körperbehinderter aus dem Kuhdorf Nazareth und Agrippa (I,2/4/6/9), der sich Agrippino nennt und Gouverneur im Nahen Osten war just, als Paulus wie besessen mehr ums Rechthaben als ums Recht kämpfte in all den widrigen Streitfragen, die die Theologen beschäftigen. Agrippino vertreibt sich jetzt die Zeit mit Geschichtsforschungen in der Paradiesesbibliothek und geht all den Rätseln um Jesus, seine Freunde, seinen Richter Pontius Pilatus und um Sauls Bekehrungserlebnis nach. Außerdem quält ihn, daß nun sowohl seine Ehefrau als auch seine Geliebte im Paradies sind und Anspruch auf seine exklusive Nähe erheben.

Überhaupt fühlen sich fast alle im Paradies genervt und zu kurz gekommen. Die Spannungen eskalieren, als der Behinderte auftritt und sich von Paulus, der selber hinkt, verspottet wähnt (I,5), und noch mehr, als Maria Magdalena in einer anrührenden Szene ihrer Liebe zu Jesus Worte verleiht, die dem prüden Paulus empörend ordinär und unparadiesisch vorkommen. Hier muß Jesus, wie schon in Nazareth und überhaupt in seinem Erdendasein, vermitteln. I,10: Maria bringt wie die verführerische Eva den anwesenden Männern Apfelstückchen. I,11: Saul-Paulus erzählt, wie er am unglücklichen Ende von Kephas-Petrus schuldig wurde, und kündigt an, Jesus zu dem schmerzlich Vermißten ins Fegfeuer zu begleiten.

II,1: Im Fegfeuer, einem aschgrauen Ort ohne Wasser, gehen seit zweitausend Jahren der Gouverneur Pontius Pilatus, Kephas-Petrus und die Evangelisten Matthäus, Lukas und Johannes 1 einander auf die Nerven, indem sie sich tagtäglich die gleichen Geschichten, Vorwürfe und Unterstellungen um die Ohren hauen. Ihre Verfehlungen sind verschiedener Natur: Kephas sitzt für sein laues Verhalten als Freund Jesus gegenüber und als heimlicher Genießer unkoscher Speisen, Pilatus, weil er, der orientalischen Hitze ungewohnt, sich mit Liebesdienerinnen aus dem Umkreis des zwielichtigen Hohenpriesters Kaiphas korrumpieren ließ, die Evangelisten, weil sie absichtlich und fahrlässig die Geschichte des Menschen Jesus verfälschten und für ihre ideologischen Zwecke mißbrauchten. – Am Höhepunkt ihrer chaotischen Streitereien, bei denen sie mittelalterliche Folter- und Gerichtsmethoden parodieren, erhalten sie den Besuch der Paradiesesbewohner (II,2). Petrus schämt sich, Jesus ist erschüttert, daß Petrus leiden muß, und würde ihn gerne begnadigen, wenn er könnte, was den eifersüchtigen Lukas auf den Plan ruft. Bei der Konfrontation Jesu mit Pilatus wird klar, daß dieser sich nicht mehr an seinen Delinquenten erinnert. Agrippa kann des Lebens im Paradies nicht mehr froh werden, solange Menschen im Fegfeuer leiden (II,3). Jesu Verzweiflung darüber, selbst von seinen engsten Freunden verkannt zu werden, bricht neu auf, da berichtet Saul-Paulus von einem gewissen Markus, der sich genau darum bemüht: ihn, Jesus, aus den Quellen neu zu erforschen und in sein Recht als Mensch wiedereinzusetzen (II,4).

III,1 und 3: Pfleger und Pflegerin, verkörpert von den jungen Darstellern des Markus bzw. der Maria Magdalena, schieben Spätschicht vor dem Krankenzimmer der letzten Schwester aus dem Orden der Diabolitinnen. Pfleger versucht, Pflegerin anzumachen. Die ist aber wie die sterbende Nonne von Jesus fasziniert und möchte wie eine Maria Magdalena ihr Leben ihm als dem Heiland weihen. Pfleger erklärt ihr, daß ihr Glaube reines Fantasieprodukt sei, und vergleicht ihre Jesumania mit der Verehrung eines Falters in einem Netz, dessen blaue Farbe im Wind leuchtet und Leben gaukelt. Wenn ihr Glaube an den göttlichen Jesus zutreffe, dann müsse auch seine, des Pflegers, Annahme zutreffen, sie, Pflegerin, erwidere seine Liebe. Da dies aber offensichtlich nicht der Fall ist, führen auch die Wunschvorstellungen der Menschen nicht dazu, daß Religionen wahr werden. – Die hierauf fußende Neckerei wird durch den Auftritt von Jesus und Saul unterbrochen (III,2). Der Jesusforscher Markus grüßt argwöhnisch die neue Nachtschicht. Enttäuscht und müde fällt Jesus wie zu Anfang in Schlaf und die alten Alpträume zurück. Unterbrechung: die übrigen Mitspieler rufen zum Applaus. Verneigung vor Jupiter, dem großen Donnerer, zu dessen Erheiterung sie das Spiel inszenierten (III,4/5).