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Theater / Drama

Das Monster

Drama

Autor: Dirk Daniel Zucht
Besetzung: Damen 1 / Herren 1
Dauer: 60–80 Min.

Cantus Empfehlung: Ein surreales-dramatisches Bühnenwerk, Grenzen zwischen Wirklichkeit, Fiktion und Irrsinn gehen ineinander über. Eine Herausforderung für jeden Schauspieler.

Der greise Wolfgang Patzke, ehemaliger SS-Hauptsturmführer, wird von den Schatten seiner Vergangenheit eingeholt. Ausgerechnet jetzt, da er sich die Schuld von der Seele schreiben will, ihm aber die Worte fehlen und die Stimme versagt, wird seine junge Pflegerin zur Reinkarnation seines 1125. Opfers.
Zwischen Wahnsinn, Auswüchsen von Sex und Gewalt bewegt sich das Bühnenwerk „Das Monster“ dennoch intelligent, sensibel und voller hochintensiver Momente durch den Monolog des ehemaligen SS-Offiziers.

Wolfgang (nachher)
Zum Zeitpunkt des Spiels ist Wolfgang etwa 70 Jahre alt. Wolfgang war verheiratet, jedoch blieb seine Ehe kinderlos. Wolfgang war nicht zeugungsfähig. Seine Frau starb früh. Seit seiner Ausbildung arbeitete Wolfgang in der Verwaltung der Stadt. Während der Zeit des Nationalsozialismus trat er früh der NSDAP bei und wurde rasch befördert. Zu Beginn der 40er Jahre wurde Wolfgang zum SS-Offizier ernannt. Im Auftrag des Verwaltungshauptamtes sorgte Wolfgang etwa für einen reibungslosen Ablauf der „Evakuierung“ Jüdischer Bürger. Trotz eines Hangs zum Sadismus, handelte Wolfgang stets Gesetzeskonform. Er ließ sich zu keiner Zeit gehen, lehnte Alkohol und Nikotin ab. Nach dem Krieg arbeitete Wolfgang wieder in der Verwaltung und bearbeitete bis zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst Rentenanträge. Da er zu keiner Zeit gegen die jeweils geltenden Gesetze verstoßen hat, ist ihm ein Unrechtsbewusstsein ob seiner vergangener Taten fremd.

Adonia
Zum Zeitpunkt des Spiels ist Adonia etwa 30 Jahre alt. Ob Adonia nun wirklich die Pflegerin des Wolfgang Patzke ist, bleibt offen. Ebenfalls kann nicht eindeutig erklärt werden, ob Adonia überhaupt eine reale Person ist, da sie sowohl mit Wolfgang, als auch mit dessen Alter Ego interagieren kann. Adonia eignet sich die Charaktereigenschaften der jungen Lulu aus Wedekinds Theaterstück an, um Zugang zu Wolfgangs Sehnsüchten zu erlangen, der dem Bühnenwerk eine starke Faszination entgegenbringt. Als Lügnerin entlarvt, gibt sie sich als ehemalige Gefangene der Lager Litzmannstadt und Auschwitz zu erkennen. Sie wurde als vierjähriges Kind auf Wolfgangs Befehl hin deportiert. Adonia überlebte durch Intelligenz, Glück und Laszivität.

Wolfgang (vorher)
Selbstbewusst, effektiv, geradlinig – so zeigt sich Wolfgang (vorher), dem Geiste des greisen Wolfgang entsprungen, als Idealbild des „guten Deutschen“, als Ideal des konformistischen Wolfgang (nachher). Arrogant, kalt und skrupellos – so sieht die junge Adonia den jungen, etwa 40jährigen SS-Offizier Wolfgang Patzke. Seine einzige Schwäche, die Neigung zu erotischen Abenteuern, wird von Adonia geschickt genutzt um ihn aus dem ideologischen Gleichgewicht zu bringen. Adonia bringt ihn dazu, sein Alter Ego als das zu sehen was es ist; ein greiser, schwacher Mensch. Er beginnt Wolfgang (nachher) zu hassen.

Ausführliche Synopsis

Das Bühnenwerk von Dirk Daniel Zucht beginnt mit dem Bild des alten Wolfgang Patzke in einem karg ausgestatten Zimmer mit Bett und Schreibtisch im Zentrum. Wirr brabbelt der Greis Satzfragmente vor sich hin, beschreibt Papiere und ordnet diese akribisch auf dem Tisch an.
Sein junges, arrogantes Alter Ego erscheint um ihm zu diktieren. Wolfgang blüht auf.
Als die junge Pflegerin den Raum betritt, versteckt sich der greise wieder hinter der Maske der Senilität. Er lässt die Pflege der jungen Frau über sich ergehen bis er vom jungen Wolfgang zur Aufruhr angestiftet wird.
Die Pflegerin lässt vom Alten ab um den jungen Wolfgang zu Boden zu zwingen. Sie stellt sich als Adonia vor und genießt die momentane Machtlosigkeit überheblichen Mannes.
Nun, da sich die Grenzen zwischen Wirklichkeit, Fiktion und Irrsinn zu überlappen scheinen, will Adonia den jungen Wolfgang um den Finger wickeln; bietet sich ihm scheinbar an und gibt die Naive mit Lolita-Charme.
Geschmeichelt findet Wolfgang Gefallen am erotischen Spiel. Er gibt sich dieser Phantasie hin, bis sich Adonia als Jüdin zu erkennen gibt. Die Stimmung kippt. Aus spielerischer Begierde wird ein absurd-gewalttätiges Spiel um Macht.
Adonia stellt Wolfgang immer wieder kleine, wohl dosierte Fallen, die er dank seiner Eitelkeit erst erkennt, als er sich mit der Geschichte um die Schatten, die ihn seit Jahren verfolgen, der jungen Frau gegenüber öffnet.
Im Stile einer Revue der 30er Jahre offenbart sich die grausame Vergangenheit des ehemaligen SS-Offiziers Wolfgang Patzke.
Mit der Geschichte ihres vierten Geburtstages, gibt sich nun Adonia als Opfer der Nazionalsozialistischen Rassenlehre zu erkennen. Sie wurde nach Litzmannstadt gebracht- auf Befehl von Wolfgang Patzke. Anklagen, Rechtfertigungen, Mitleid und Selbstmitleid lösen einander ab, münden in einer Anklage ohne Recht sprechen zu können, ohne Genugtuung zu erlangen.
Der alte Mann hat keine Wahl; auch wenn ihn sein junges Selbstbild im Stich lässt – Adonia wird ihm Zeitlebens nie wieder von der Seite weichen.

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