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Theater / Drama

Ich fürchte mich vor der Liebe

Ein Verbatim-Stück

Autor: Jelena Issajewa, Julia Kunze
Besetzung: Damen 3 / Herren 3
Dauer: 120–150 Min.
UA: 2010 Teatr.doc Moskau

Cantus Empfehlung: Für Erwachsene und Jugendliche ab etwa 16 Jahren.
Vier der sechs Schauspieler müssen in schneller Folge viele unterschiedliche Personen spielen.

“Morgens zusammen Kaffee trinken ist doch schon eine feste Beziehung. Ich geh’ nicht erst morgens weg, sondern schon in der Nacht.“
“Wenn du von einem Mann abhängig bist, zeigt er erst sein wahres Gesicht“
“Liebe ist, wenn der andere will, dass du dich weiter entwickelst.“
Moskauer Yuppies mit Scheidungstrauma auf der Flucht vor Gefühlen: Wir erleben sämtliche Stationen des Tagesablaufs von Anja und Sergei mit, die sich an diesem Tag zwischen Stress im Job, Ärger mit der Familie und der Erinnerung an frühere Enttäuschungen darüber klar zu werden versuchen, ob sie den Mut finden, einander zu lieben.

Besetzungsliste

NADJA. Rollenalter 40 Jahre. Die Erzählerin des Stücks. Kollegin von Anja, Schulfreundin von Sergei, Nachbarin von Vika. Hat eine eher lockere Beziehung mit Aljoscha. Redet sehr pragmatisch über die Liebe, ist aber selbst nicht glücklich.
Im Verlauf des Stücks übernimmt sie zusätzlich folgende Rollen: Erste Grafikdesignerin, Exfrau von Sergei, Chefin von Anja, Frau-1, Frau-2, Schwangere, erste Freundin des jungen Mädchens auf der Ausstellung, andere Frau auf der Ausstellung, Künstlerin, Mutter von Anja, zweite Verkäuferin.

ANJA. Rollenalter etwa Mitte 30. Die weibliche Hauptrolle. Allein erziehend. Ihren Mann hat sie verlassen, da er sie betrogen hat. Im Moment hat sie eine Beziehung zu ihrem Kollegen Viktor, mit der sie nicht glücklich ist. Die letzte Nacht hat sie mit Sergei verbracht – eine Erfahrung, die ihr Leben verändert. Während sie den ganzen Tag lang versucht, sich über ihre Gefühle klar zu werden, reden alle, denen sie begegnet, nur über das Thema Liebe in allen Facetten.
Sie übernimmt zusätzlich folgende Rolle: Zweite Freundin des jungen Mädchens auf der Ausstellung

VIKA. Rollenalter 18 Jahre. Hat seit kurzem eine Beziehung mit Sergei, in der es von Anfang an heftig kriselt. Holt sich bei Nadja Rat.
Sie übernimmt zahlreiche Nebenrollen: Junges Mädchen an der Bushaltestelle, zweite Grafikdesignerin, Kollegin von Anja, Redaktionssekretärin, Galja, Schauspielerin, Szenaristin, Buchverkäuferin, junges Mädchen auf der Ausstellung, Frau auf der Ausstellung, die Andere, Frau auf der Straße, kleine Tochter von Anja, erste Verkäuferin, andere Freundin von Nadja

SERGEI. Rollenalter 40 Jahre, die männliche Hauptrolle. Seine kinderlose Ehe scheiterte an mangelnder Kommunikation. Nun fällt es ihm schwer, wieder einer Frau zu vertrauen. Er hat zahlreiche Affären, hängt aber immer noch an seiner Exfrau. Auch er durchläuft während des Tages viele Gespräche, um sich über seine Gefühle für Anja klar zu werden.

ALJOSCHA. Rollenalter über 40. Trifft sich jede Woche mit Nadja. Heute hat Anja ihn mit einer anderen Frau gesehen, was ihn zur Aussprache mit Nadja zwingt. Über seine Gefühle für die andere Frau ist er sich noch nicht im Klaren.
Zusätzlich übernimmt er folgende Nebenrollen: Kumpel von Sergei, Freund der Redaktionssekretärin, Fahrer, Mann-1, alter Mann, anderer Mann auf der Ausstellung, Opa von Sergei, Kultakow, Verkaufsleiter.

VIKTOR. Rollenalter unter 40. Hat eine Affäre mit Anja, was er aber geheim hält, da er wegen ihr mit der Chefin Schluss gemacht hat. Hat sehr feste Vorstellungen von der Liebe und vom Leben, möchte sich nicht verändern.
Er übernimmt folgende Nebenrollen: Manager, Buchverkäufer, Mann-2, Taxifahrer, trauriger Mann, Mann auf der Ausstellung, Künstler, Kyrill, Marketingleiter.

Synopsis

Anja und Sergei wachen zusammen auf, sie kennen sich erst seit gestern. Bevor sie verstehen können, warum diese Nacht so etwas Besonderes war, müssen beide zur Arbeit. Sie sehen sich den ganzen Tag lang nicht mehr, aber die Zuschauer erleben alle Ereignisse ihrer jeweiligen Tagesabläufe mit.

Alle Menschen in ihrer Umgebung reden an diesem Tag über ihr Privatleben – das meist unglücklich ist. Anja und Sergei treffen mit ihren Ex-Ehepartnern zusammen, alte Wunden reißen auf. Mit ihren aktuellen Beziehungen sind beide nicht glücklich, ihre Bekannten haben jeweils ihre eigenen Strategien zum Vermeiden von Enttäuschungen entwickelt.

Auf ihrer Reise durch den Tag suchen Sergei und Anja nach einer Antwort auf die Frage, wie sie die Kluft aus Angst zwischen sich überwinden können.

Kommentare:
Ein Verbatim-Stück, d. h. die Dialoge bestehen aus neu kombinierten Originalzitaten aus Interviews zum Thema Liebe.
Die Autorin Jelena Issajewa: „Das Stück entstand aus Interviews mit Menschen, die von der Liebe schwer enttäuscht worden waren. Diese Erfahrung hindert sie daran, sich lebendig zu fühlen und weckt Angst vor neuen emotionalen Erschütterungen. Während ich diese Interviews führte, wurde mir klar, dass dies das Problem einer ganzen Generation ist. Ein einsamer Mensch kann fast alles – arbeiten, Freundschaften pflegen, sogar Essen übers Internet bestellen. Dabei fällt die Notwendigkeit emotionaler Kommunikation weg, und das ist schlimm. Diese Leute denken, dass sie sich so schützen können, aber in Wirklichkeit zerstören sie sich, bringen sich um durch Gleichgültigkeit, Verschlossenheit und Einsamkeit. Sie sind wie Zombies, die äußerlich gesellig wirken. Das ist es, wovor man sich fürchten sollte, nicht vor der Liebe.“

Pressestimmen

“Er und Sie hetzen zwischen ihrer Wohnung, Arbeitskollegen, Verwandten und Freunden hin und her – müde von immer neuen Enttäuschungen und erdrückender Einsamkeit. Wenn alles zu viel wird, lehnt sich jeder denkende Mensch dagegen auf, weiter Masken zu tragen, Konventionen und Verpflichtungen zu entsprechen. Die Schauspieler spielen auf eine Armlänge Abstand. Sie sind uns ähnlich – geknickt, müde von der Hektik und der nie endenden Jagd nach Statussymbolen. Sie leiden unter der Falschheit und Leere der modernen Welt, sind aber unfähig zu handeln“
Xenia Larina, „Nowyje Iswestija“, 23.11.2010

„Dargestellt werden viele Einzelheiten aus dem verrückten Leben der Mittelklasse in einer Großstadt. Verpackt in hauchfeine Schauspielkunst. Der Schluss gibt eine Prise Hoffnung auf eine Zukunft ohne Furcht. Ja, Liebe tut weh. Aber wer vor der Liebe flieht, empfindet noch viel mehr Schmerz. Dieser Schmerz heißt „Sinnlosigkeit“. Im Liebesschmerz liegt wenigstens noch Sinn. Dieser Schmerz ist heilsam und lehrreich.
Tatjana Ognjewa, „Komsomolskaja prawda“, 30.03.2010

“Wenn man die Fotocollagen, die als Dekoration dienen, mit zusammengekniffenen Augen betrachtet, sehen sie wie eine Großstadtkulisse aus. Wenn man bei den Dialogen nicht auf die Namen achtet, wirken sie wie das Stimmengewirr in dieser Stadt. Die Stadt lebt vom Durst nach Liebe und der Angst vor Schmerz. In der Aufführung von Grigori Katajew nach dem Stück von Issajewa hört man Lachen und Naseschneuzen – im Publikum ebenso wie auf der Bühne.“
Jelena Kowalskaja, „Afischa“, 02.03.2010

„Parallel entwickeln sich mehrere Handlungslinien. Mit gewagter Selbstverständlichkeit wechseln ständig die Schauplätze: von der Straße zur Wohnung, von der Raucherecke zur Kneipe, von der Ausstellung zum Büro. Diese Methode ist mit kluger Grazie erdacht und angewandt.“
Olga Galachowa, „Nesjwissimaja Gaseta“, 18.11.2010

„Wir sehen Menschen, die von Liebe träumen, sie aber fürchten und jede Abhängigkeit vermeiden wollen. Es fällt ihnen schwer, sich zu entscheiden zwischen einem ruhigen Leben ohne Liebe und Sex, der wieder Gefühle mit sich bringt. Der Reiz des Stücks liegt in der Erkenntnis. Die exakt gezeichneten Charaktere offenbaren sich sofort in den klug komponierten Dialogen und in den genau beobachteten Rollenzeichnungen der Schauspieler.“
Dina Goder, „Wremja nowostej“, 17.02.2010

“Liebende betrügen sich, machen mit dem anderen Schluss… Aber in diesem Hin und Her finden zwei doch zueinander. Wir wissen nicht, ob fürs ganze Leben. Wir wissen nicht, ob es den beiden Hauptpersonen gelingt, durch Alltag, Arbeit, Ex- und gegenwärtige Partner, durch Ängste und Zweifel zum anderen durchzudringen… Die Schauspieler legen sich voll ins Zeug, Spitze.“

Vera Kopylowa, „Moskowskij Komsomolez“, 15.01.2010

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