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Theater / Drama

Liebesleben – Lebensliebe

Vier Stücke über vier Lebensalter

Autor: Kurt Franz
Orchestrierung: Playback
Besetzung: Damen 6 / Herren 9
Dauer: abendfüllend

Der Autor zeichnet in diesen vier Stücken („Monte Carlo“, „Buschenschank“, „Haarschnitt“ und „Die Ehrung“) ein Panoptikum menschlicher Emotionen und spannungsgeladene Bilder von sprachlich anmutiger Leichtigkeit, hinter denen sich die Spiegelbilder der Seele in den vier Lebensabschnitten Jugend, Erwachsenenalter, Mittleres Alter und Alter zeigen.

„Leben, um zu lieben“ verwandelt sich in „Lieben, um zu leben“; eine reife Sichtweise der Alltäglichkeit, die jedem Lebensabschnitt eine ihm eigene Bedeutung zumisst. Während die Jugend geprägt ist von Hedonismus, der Suche nach dem großen Glück, Phantasiewelten und Hormonlastigkeit zu Lasten der Vernunft, hält einem das junge Erwachsenenalter schon so manchen Spiegel vor: War das jetzt schon alles? Oder kommt da noch etwas? Und: Was wäre gewesen, wenn?

Man könnte das junge Erwachsenenalter sogar das Alter des Konjunktivus Irrealis nennen, der, 20 Jahre später, im Mittleren Alter gestützt wird von Demut und Dankbarkeit dem verbliebenen Leben gegenüber; und: dass es vielleicht doch nicht so schlimm gekommen ist, wie es hätte kommen können. Wie gut oder schlimm das Leben dann de facto war, stellt sich heraus, wenn langsam alles dem Ende zugeht. Im Alter werden Lebensgeschichten neu geschrieben, zusammengefasst, vielleicht wird auch manche Erinnerung zu Gunsten der Lebensdramaturgie überarbeitet. Regeln gibt es dafür keine, aber eines ist gewiss: Erfüllung findet, wer Erfüllung sucht. In jedem Abschnitt des Lebens. (Claudia M. Furthner)

Inszenierung

Für jeden Einakter ein Bühnenbild.

Ausführliche Synopsis

LIEBESLEBEN

(bestehend aus MONTE CARLO und BUSCHENSCHANK)

1. MONTE CARLO
Ein jugendlicher Traum in einem Akt
22 Seiten
PERSONEN: 1 H, 1 D
Karli, 14 Jahre, Jugendlicher
Hannerl, 14 Jahre, Jugendliche

Ort: Straße
Zeit: Tag

Zwei Jugendliche sind mit ihren Fahrrädern unterwegs. Der Junge will dem Mädchen imponieren und erzählt von seinem großen Coup: Im Casino hätte er eine Million Euro gewonnen, die er in der Bank von Monte Carlo angelegt hätte.
Das Mädchen ist skeptisch, nichtsdestotrotz ergehen sich beide in Tagträumen darüber, was jeder von ihnen mit so viel Geld wohl anstellen würde.
Hannerl aber beschließt, Karli letztendlich doch nicht zu glauben und fährt davon. Karli fährt ihr nach.

Ein erfrischend jugendlicher Einakter; ein kurzes Stück über die “alte” Generation der Jugendlichen, damals, als Jugendliche mit 14 Jahren noch Fahrrad fuhren, dabei Chips aßen und sich über Gangschaltungen und Lebensträume unterhielten.
Eine konservative Sicht auf die Welt der Jugend? Vielleicht.
Eine realistische? Wahrscheinlich nicht.
Eine hoffnungsreiche? Ja, schon.

2. BUSCHENSCHANK
Der Ausklang eines Arbeitstages in einem Akt
21 Seiten
PERSONEN: 3 H, 1 D
Karl, 30 Jahre, Arbeiter
Ferdl, 30 Jahre, Arbeiter
Mitzi, 30 Jahre, Wirtin
Medizinalrat, 65 Jahre

Ort: Buschenschank
Zeit: Abend, Donnerstag

Karl und Ferdl sind zwei brav arbeitende Menschen, die zum Ausklang des Arbeitstages in ihrer Stammdorfkneipe noch den einen oder anderen Liter Wein genießen. Reden tun sie dabei: Über das Leben und die Welt. Über den Rausch, über die “Weiber”, über die wohlverdienten Schläge. Über das ewig gleiche Essen, über die Zukunft. Sie versuchen sich vorzustellen, wie das ist, wenn sie einmal tot sind. Wer sich in 200 Jahren noch an sie erinnern wird. Sie trinken. Sie trinken auf den “Adi” Hitler. Und: Was wäre passiert, wenn Deutschland damals den Krieg gewonnen hätte? Sie grapschen gerne. Und geilen sich an Selbstmorden von Bekannten auf. “Wie würdest DU dich umbringen?” Und Mitzi bringt immer brav den neuen Liter Wein. Und dann kommt: Der Herr Medizinalrat. Ein Angehöriger der Oberliga. Und der hat Gäste aus Berlin; denen will er das “Verhackerte” “vorstellen”. Weil er kein Geld dabei hat, schlägt er Mitzi einen Tausch vor: Verhackertes gegen Sonderbehandlung in der Praxis.
Und als dann die Feuerwehrsirene ertönt, stellt sich die nackte Wahrheit über die beiden Männer heraus: Karli und Ferdl sind zwar stockbetrunken, aber auch superglücklich. Weil sie heute zum ersten Mal als erste am Brandort sein werden; weil: Immerhin sind sie ja schon angezogen. Da werden die anderen Feuerwehrleute aber schauen.

Eine Szene in einem Landgasthaus, wie sie schöner nicht hätte beschrieben werden können. Zwei übrig gebliebene Säufer des Dorfproletariats, die, weil sie es einfach nicht anders wissen, trotz ihrer verbalen Stumpfsinnigkeiten fast liebenswert anmuten, aus dem einen Grund, weil sie so etwas wie “Heimatgefühl” vermitteln.

Das ist AUCH Österreich.
Nein.
Das IST Österreich.

LEBENSLIEBE

(bestehend aus HAARSCHNITT und DIE EHRUNG)

3. HAARSCHNITT
Eine wirksame Kopfmassage in einem Akt
15 Seiten
PERSONEN: 1 H, 1 D
Frau Erika, 50 Jahre
Herr Scherer: 55 Jahre

Ort: Frisiersalon
Zeit: Tag, Regen

Scherer ist Stammgast bei Frau Erika; waschen, schneiden, und das Shampoo gegen Schuppen, wie immer, vielleicht rasieren. Wir beobachten ein Gespräch beim Friseur zweier Menschen, die am Ende des zweiten Drittels ihres Lebens angekommen sind.
Gesprächsthemen: Kopfmassagen anderer Friseure, der Tod, das Schicksal, Schicksalsschläge, Schutzengel, Pensionsversicherungen. Scherer, der Pensionsversicherungen vertreibt, lädt Erika ein, zum Abendessen. Zum geschäftlichen Abendessen, versteht sich. Naja, vielleicht DOCH ein Rendezvous. Und macht Erika Komplimente. Die bleibt zwar passiv, aber freut sich irgendwie doch. Komplimente hat sie schon lange nicht mehr gehört. Und Scherer stellt dem Unglück dieser Welt und dieses Lebens den Duft von Holunderblüten entgegen und seine Sehnsucht nach dem Verschmelzen mit der ganzen Welt. Er bietet Erika das Du-Wort an. Ebenso tut Erika. Und: das Haareschneiden ist heute gratis. So macht man das unter Freunden.

Ein Zusammentreffen zweier Menschen, die sich selbst in einen neuen Kontext stellen und sich somit neu kennen lernen. Ein Schnippchenschlagen wider die Vergänglichkeit? Ein Aufblühen einer Liebe? Oder eine Nutzen-Kosten-Einsamkeits-Gemeinsamkeits-Abwägung?

Ein Klassiker der Frisiersalonliteratur allemal.

4. DIE EHRUNG
Ein feierlicher Nachmittag in einem Akt
37 Seiten
PERSONEN: 4 H, 3 D
Anneliese Böhm, Pensionsgast, 78 Jahre
Friedrich Pichler, Pensionsgast, 75 Jahre
Maria Pichler, Pensionsgast, 81 Jahre
Richard Großschädel, Pensionsgast, 75 Jahre
Lieselotte, Kellnerin, 20 Jahre
Bürgermeister, 45 Jahre
Vizebürgermeister, 40 Jahre

Ort: ein Bergdorf auf 1000 Meter Seehöhe, Gasthausterrasse
Zeit: Herbst, Nachmittag

Fünf alte Menschen erleben heute ihren besonderen Nachmittag. Der Bürgermeister und der Vizebürgermeister kommen zu ihnen auf den Berg, um sie zu ehren. Als Dank für den Dienst an der Gemeinde. Heimatlieder werden den schweren Erinnerungen des Lebens gegenübergestellt, der Krieg ist bei manchen doch noch nicht so verdaut, wie er das gerne wäre, der Wein schmeckt immer noch und man erwartet sich diesmal die diamantene Anstecknadel. DIE gibt es aber nicht mehr. Es gibt nur noch Einheitsanstecknadeln, denn: Ehrungen werden fortan JEDES Jahr vollzogen und nicht mehr nur zu Jubiläen.
Ein Grund zur Freude? Eigentlich ist es auch egal.
Und bevor es begonnen hat, ist es eigentlich schon wieder vorbei. Der große Festakt war ein kurzer, wie das Leben.
Da geht’s der jungen Kellnerin schon besser, die hat das Leben noch vor sich.

Fünf alte Menschen, die eine kleine Freude erleben, besinnen sich in Gesprächen und schieben diese Besinnung gleich wieder weg. Die schönen Momente im Leben sind zwar schön, aber kurz. Dafür aber hat man im Alter den Vorteil der Nachmittagsrast: um zum Abendessen ausgeschlafen zu sein.

Deprimierend?
Oder realistisch?
Ausgeschlafen oder nicht:
Das war das Leben.

(Inhaltsbeschreibung von Claudia Furthner)

Pressestimmen zu Monte Carlo

Zu MONTE CARLO:
„Intelligenter und witziger Lichtblick des Abends: „Monte Carlo“ von Kurt Franz – eine schlichte Geschichte, pfiffig und augenzwinkernd wie ein jiddischer Witz, mit Schlagfertigkeit und menschlichem Humor.“ Mathias Grilj, Kronen Zeitung, 04. März 1983
„Dagegen zeigt sich Kurt Franz‘ „Monte Carlo“ wohl als kleine, aber ziemlich abgeschlossene Szene. Wie er aus einem völlig „banalem“ Disko-Dialog zweier junger Leute, stets schlicht alltäglich bleibend, eine Fiktion nach dem Uralttraum „Wenn ich einmal reich wär“ entwickelt, „fängt ein“ und hat Unterhaltungswert.“

Renate Ritter, Kleine Zeitung, 04. März 1983

Zu BUSCHENSCHANK und DIE EHRUNG:
„Mit dem roten Blitz frontal in die weststeirische Gemütlichkeit. (…) „Buschenschank“ und „Die Ehrung“, zwei Einakter des Lerchhaus-Leiters Kurt Franz, bilden den programmatischen Anfang dieses neuen Kulturzentrums. (…) „Buschenschank“ – gegeben wird eine Kompaktversion des Stückes – ist eine Tour de force mit zwei jungen Männern und mehreren Doppellitern Wein. Eine Passage durch den ganz normalen Wahnsinn der Verzweiflungen und Aggressionen. Eine Hitparade der Sprach- und Denkklischees und eindringlicher Realitätsnähe. Das Seine zu dieser Eindringlichkeit trägt das famose Darstellerduo Christian Koschar und Sigi Galler als viertelvernichtendes Duo Karl und Ferdl bei.
Das nämliche Prinzip der Karikatur ganz nahe an der Realität setzt Franz in „Die Ehrung“ in gemildeter Komödienform ein. Otto Paulitsch als verdiente Sommerfrischler ehrender Vizebürgermeister und „Pfüat-Di-Gott-Lackerl“-Experte ragt aus einem durchwegs beachtlichen Ensemble. Autor Franz inszeniert auch hier mit Geschick zwischen Beckett und Löwinger.“

Walter Titz, Kleine Zeitung, 02. November 1991

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