Drei Cousinen | Cantus Theaterverlag
Komödie / Sketche

Drei Cousinen

Autor: Annette Kruhl
Orchestrierung: keine
Besetzung: Damen 5 / Herren 2
Dauer: 90–110 Min.

Komödie mit Tiefgang über drei höchst unterschiedliche Frauen und ihre Verstrickung in unaufgelöste Themen ihrer Mütter. Nach fünfundzwanzig Jahren Funkstille – ausgelöst durch einen erbitterten Schwesternkrieg ihrer Mütter – sehen sich die drei Cousinen Fiona, Tamara und Charlotte anlässlich der Beerdigung von Fionas Mutter Helene in deren Haus wieder. Die drei Frauen – alle Ende Vierzig, Anfang Fünfzig – haben nicht nur einigen Austauschbedarf, was ihr gegenwärtiges Leben betrifft, sondern erkennen auch immer klarer, dass sie dringend mit der Vergangenheit ihrer Familiengeschichte aufräumen müssen.

Besetzung/Rollen/Charakter

  • Tamara: Die Älteste der drei Cousinen, gerade 50 geworden, ist lebenslustig und umtriebig, hat früh geheiratet und Kinder bekommen, dadurch ihre Karriere als Modedesignerin an den Nagel gehängt und betreibt, seit ihre Kinder aus dem Gröbsten raus sind und mehr als Alibi-Tätigkeit, eine Boutique. Aus ihrer Ehe mit Star-Anwalt Thorben ist schon lange die Luft raus. Dennoch kann und will Tamara sich nicht von ihm trennen – vor allem, weil sie finanziell von ihm abhängig ist und sich an den verschwenderischen Lebensstil mit ihm gewöhnt hat. Also bindet sie ihn dadurch an sich, indem sie ihm ein Kind nach dem anderen anhängt, betrügt ihn aber schon seit Jahren mit anderen Männern, um zu kompensieren, was ihr in der Beziehung zu ihm fehlt.
  • Charlotte: Die Schwester von Tamara, 48, hat lange ein unabhängiges Leben geführt und im Ausland gelebt, bis sie mit Ende 30 erstmals schwanger wurde, aufgrund dessen den Vater des Kindes heiratete und doch noch sesshaft wurde. Es sind eher pragmatische Gründe, aus denen sie sich an ihren Mann Olaf gebunden hat, von dem sie im Laufe der Ehe auch noch ein zweites Kind bekam. Auch diese Ehe erfüllt in erster Linie eine Funktion, Gefühle spielen eine untergeordnete Rolle. Da es bei Olaf beruflich stagniert, ist Charlotte inzwischen die hauptsächliche Ernährerin der Familie, was sie einerseits mit Stolz erfüllt, andererseits aber auch nervt. Unterschwellig verachtet sie Olaf dafür, dass er die Rolle des versorgenden „Familienoberhaupts“ nicht erfüllen kann. Charlotte wirkt auf den ersten Blick etwas zugeknöpft, man ahnt aber, dass sich dahinter noch etwas ganz Anderes verbirgt.
  • Fiona: Die jüngste der drei, 47, ist ein unkonventioneller Freigeist und liebt ihre Unabhängigkeit über alles. Sie lebt das völlige Kontrastprogramm zu dem, was für ihre Cousinen als erstrebenswert gilt. Obwohl auch sie in jungen Jahren einen soliden Mann geheiratet und zwei Kinder bekommen hat, ist sie mit Ende 30 daraus ausgebrochen, hat sich noch einmal ganz neu als Künstlerin und Frau entfaltet, ist viel auf Reisen und hat wechselnde Liebhaber. Die weibliche Verwandtschaft betrachtet sie deshalb mit einer Mischung aus Bewunderung und Missgunst. Fiona gilt als „die Einzige von uns, die sich wirklich emanzipiert hat“. Da sie zu ihrer Mutter zeitlebens ein schwieriges Verhältnis hatte, war der Kontakt zu ihr in den letzten drei Jahren komplett abgebrochen. Einziger Bezugspunkt aus ihrer Ursprungsfamilie ist ihr jüngerer Bruder Paul.
  • Paul: Fionas jüngerer, schwuler Bruder, 45, steckt in einem Dauer-Dilemma. Einerseits fühlt er sich seiner Mutter verpflichtet, zu der er immer ein sehr enges Verhältnis hatte, andererseits ist ihm die Beziehung zu seiner Schwester wichtig, die aber wiederum einen starken Groll gegen ihre Mutter hegt. Nach dem Tod seiner Mutter übernimmt er unbewusst deren Rolle bzw. Ansichten. Zudem beschönigt und entschuldigt er dauernd ihre teilweise fragwürdigen Verhaltensweisen und liegt damit in ständigem Konflikt mit seiner Schwester. Er ist ein eher weicher, konfliktscheuer Mann und kann sich gegenüber den starken Frauen in der Familie nur schwer behaupten.
  • Tante Marga: Die jüngere Schwester der verstorbenen Helene ist trotz ihrer 79 Jahre noch geistig hellwach. Sie ist eine eher zierliche, gebildete Frau, die schon früh lernen musste, auf eigenen Füßen zu stehen, da ihre Schwester Helene immer bevorzugt wurde. Das Meiste hat sie sich selbst erkämpft und ist auch stolz darauf. Männer betrachtet sie ein stückweit als Mittel zum Zweck – eine Haltung, die sie (bewusst oder unbewusst) an ihre Töchter weitergegeben hat. Typisch für ihre Generation und den Erlebnissen von Krieg und Vertreibung geschuldet legt sie viel Wert auf das äußere Ansehen, Besitz und „Familienehre“.
  • Pfarrer Engelhardt: Ein Genussmensch durch und durch, jovial, etwas korpulent und – in gewissem Widerspruch zu seinem Beruf – ganz den weltlichen Dingen zugewandt. Dennoch nimmt er seine Aufgaben als Seelsorger ernst, wenn es darauf ankommt. Er liebt den Austausch mit Menschen, fühlt sich wohl in seiner Rolle als geschätzte Autorität und sieht in allem erst einmal das Positive.
  • Frau Wächter: Der Typ „herumschnüffelnde Nachbarin“, steckt überall ihre Nase herein und steht gern stundenlang tratschend am Zaun ihres Grundstücks. Frau Wächter ist die klassische, kleinkarierte, aber herzensgute Vollzeit-Hausfrau einer Provinzstadt, die bei jedem unbekannten Geräusch in ihrem Vorgarten sofort Einbrecher vermutet.

Dauer:

  • Teil 1: 60 Minuten
  • Teil 2: 45-50 Minuten

Spielbar ab:

  • sofort

Bühnenbild/Inszenierung

Wohnzimmer im Haus der kürzlich verstorbenen Helene.

Ausführliche Synopsis

Fiona, 47, und ihr Bruder Paul, 45, treffen sich im Haus ihrer kürzlich verstorbenen Mutter Helene, um die Beerdigung zu organisieren. Schockiert stellen die Geschwister fest, dass ihre Mutter ihnen so einiges über ihre Lebensumstände verheimlicht hat – und auch ansonsten immer sehr darum bemüht war, unangenehme Wahrheiten über ihre Familie nach außen hin zu vertuschen oder zu beschönigen. Da Bruder und Schwester aber ein völlig unterschiedliches Verhältnis zu ihrer Mutter hatten, gehen sie mit diesen Erkenntnissen auch sehr unterschiedlich um, was Konflikte nach sich zieht.

Anlässlich des Todes von Helene lebt auch der Kontakt zu Helenes jüngerer Schwester Marga, 79, und ihren Töchtern Tamara und Charlotte wieder auf. Obwohl sie als Kinder ein Herz und eine Seele waren, haben sich die drei Cousinen Fiona, Charlotte und Tamara als Erwachsene komplett aus den Augen verloren – in erster Linie deshalb, weil ihre Mütter einen erbitterten Schwesternkrieg auf dem Rücken ihrer gesamten Familien austrugen. Anlässlich von Helenes Beerdigung beschließen Tamara und Charlotte, der Funkstille nach fünfundzwanzig Jahren ein Ende zu machen und reisen an. Mit gemischten Gefühlen sehen die drei Frauen dem Treffen entgegen. Da ist einerseits Neugier und Vorfreude, die ehemals geliebten Cousinen wiederzusehen, andererseits diverse Vorbehalte gegeneinander, die im Laufe der Jahre durch den Zwist der Mütter – über dessen Ursache es nur Mutmaßungen gibt – geschürt wurden.

Das Treffen der Cousinen stellt den Mittelpunkt des Schauspiels dar. Es begegnen sich drei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Die zwei Schwestern Charlotte und Tamara führen nach außen hin ein bodenständiges Leben mit ihren jeweiligen Ehemännern und Kindern. Fiona dagegen ist Künstlerin und unkonventionelle Individualistin, die sich vor acht Jahren von ihrem Mann getrennt hat und ein selbstbestimmtes Singleleben führt. Nicht nur diese gegensätzlichen Lebens- und Beziehungsformen bergen Konfliktpotential in sich. Im Verlauf des Treffens müssen die drei Frauen feststellen, dass sie nur noch schwerlich an die in ihrer Erinnerung verklärten Kindheitszeiten anknüpfen können. Mehr und mehr bröckeln die sorgsam nach außen errichteten Fassaden, es kommen frappierende, ungeahnte Wahrheiten ans Licht und die drei Cousinen müssen erkennen, dass jede auf ihre Weise im Netz unaufgelöster Familienthemen verstrickt ist.

Kennen Sie schon diese Theaterstücke?

Eine Nacht mit Nofretete | © Götze | Cantus Theaterverlag

Eine Nacht mit Nofretete


14401573950114358793_1440158774

Wenn das Haus leer ist, dann tanzen die Mäuse!


igor

Igor – der bekannte Unbekannte


Die Versuchung von nebenan | Cantus Verlag

Die Versuchung von nebenan