
Die Wildenburgs
Eine Familienkomödie zwischen Diesseits und Jenseits
Autor: Thomas RauInstrumentierung: keine
Besetzung: Damen 7 / Herren 7
Dauer: 90–110 Min.
Spielbar ab: ab 18 Jahren
Cantus Empfehlung: Das Besondere an „Die Wildenburgs“ ist das dramaturgische Prinzip zweier gleichzeitig sichtbarer Welten auf einer Bühne. Die Geister sehen und hören die Lebenden, sind für diese jedoch unsichtbar und unhörbar. Das Publikum sieht beide Ebenen und erlebt, wie dieselben Vorgänge unterschiedlich wahrgenommen und kommentiert werden. Zugleich macht das Stück den ungewöhnlichen Schauplatz Friedhof zur lebensbejahenden Familienkomödie, ohne den Tod lächerlich zu machen. Mit 14 prägnanten Rollen, optionaler Statisterie und nur einem (sich im Laufe des Stücks verändernden) Bühnenbild eignet es sich besonders für Amateur- und Freilichtbühnen.
Kurzbeschreibung
Ein junges Paar übernimmt die Patenschaft für das verwilderte Familiengrab der Wildenburgs, ohne zu ahnen, dass sie auf Schritt und Tritt von den Geistern der Familie beobachtet werden. Als eine bislang unbekannte Familienchronik auftaucht, geraten die Geister wegen ihrer sorgsam gehüteten Geheimnisse in Panik.
Bei aller Figuren- und Situationskomik erzählt die Komödie warmherzig davon, dass Familie nicht allein durch Herkunft, sondern durch Zuneigung und Verantwortung entsteht.
Besetzung/Rollen/Charakter
Die Lebenden:
- Anna – begeisterungsfähige Grabpatin mit einer Leidenschaft für Geschichte
- David – ihr pragmatischer Freund, freiberuflicher Webdesigner und zunächst eher widerwilliger Grabrestaurator
- Bertram von Klingenau – geschäftiger Friedhofsverwalter mit dem Talent, sogar eine Ruine anzupreisen
- Johanna Schütte – schlagfertige Friedhofsbesucherin, die fast jeden und alles auf dem Friedhof kennt
Die Geister der Wildenburgs:
- Wilhelm Wildenburg – Fabrikant, Kommerzienrat und patriarchalisches Familienoberhaupt, auch über den Tod hinaus
- Mathilde Wildenburg – seine standesbewusste Ehefrau und unerbittliche Hüterin der Familienehre
- Gustav Wildenburg – Wilhelms älterer Sohn, Unternehmer und begeisterter Turner
- Thusnelda Wildenburg – Gustavs scharfzüngige Ehefrau
- Moritz Wildenburg – Wilhelms jüngerer Sohn, Komponist und selbsternanntes musikalisches Genie
- Lotte Silberstein – exaltierte Schauspielerin, Moritz’ große Liebe und stets bereit für den großen Auftritt
- Carla von Kronberg – Mathildes bibelfeste Cousine mit erstaunlich flexiblem Gewissen
- Elly Pomsel – langjährige Köchin der Familie, die selbst im Jenseits ihren Dienst nicht ganz aufgeben kann
- Friedrich „Fritzchen“ Wildenburg – Wilhelms elfjähriger Enkel, frecher Lausbub mit einem besonderen Talent für technische Störungen; die Rolle kann auch von einem Jugendlichen oder jungen Erwachsenen gespielt werden
- Albert Wildenburg – offiziell Wilhelms Neffe; spricht nicht, hat aber mit seinen Zetteln oft Entscheidendes mitzuteilen
Statisten – optional:
- In den Tagszenen können beispielsweise Friedhofsbesucher, Gärtner oder Spaziergänger auftreten.
- In den Nachtszenen weitere stumme Friedhofsgeister, Fledermäuse, Eulen oder andere nachtaktive Tiere.
Bühnenbild/Inszenierung
Ein Bühnenbild: das Familiengrab der Wildenburgs auf einem Friedhof. Das Grab verändert sich im Verlauf des Stückes sichtbar vom überwucherten, teilweise verfallenen Grabmal über eine Baustelle bis zum teilweise restaurierten Familiengrab. Eine Bank seitlich des Grabes ergänzt das Bühnenbild.
Eine Besonderheit des Stücks ist das dramaturgische Prinzip zweier gleichzeitig sichtbarer Welten auf einer Bühne. Was zunächst kompliziert klingt, ist in der Umsetzung überraschend einfach: Die Lebenden agieren ganz normal und ahnungslos, während sie von den Geistern umgeben sind. Die Lebenden können die Geister weder sehen noch hören und reagieren nicht auf sie. Lediglich im Schlussbild wird diese Regel hinsichtlich der Sichtbarkeit einmal durchbrochen. Für das Publikum sind dagegen beide Welten sichtbar und hörbar.
Die Geister sind keine Schreckgestalten; besondere Masken oder aufwendige Geistereffekte sind nicht erforderlich. Die Geister tragen historisch anmutende Kleidung, die ihrer Lebenszeit entspricht. Die Komik entsteht aus ihren Charakteren, ihren Beziehungen und dem Aufeinanderprallen beider Welten – nicht aus einer parodistischen Darstellung des Todes.
Da die Handlung durchgehend auf einem Friedhof im Freien spielt, eignet sich das Stück besonders für Freilichtaufführungen. Die Veränderungen des Bühnenbildes von Akt zu Akt sind mit geringem Umbauaufwand umsetzbar. Das große Ensemble und die optionale Statisterie ermöglichen auch auf breiten Bühnen ein lebendiges Bild. Wegen des Wechsels zwischen Tag- und Nachtszenen empfehlen sich Aufführungen in den Abendstunden; zugleich ergeben sich vielfältige Möglichkeiten für eine atmosphärische Lichtgestaltung.
Dauer: ca. 90 Minuten
Spielbar ab: junge Erwachsene
Ausführliche Synopsis
Die geschichtsbegeisterte Anna und ihr zunächst skeptischer Freund David übernehmen die Patenschaft für das verwilderte Familiengrab der Wildenburgs, ohne von der Existenz der Familiengeister zu ahnen. Anna und David können sie weder sehen noch hören, während die Geister alles beobachten und kommentieren. Dies ist das komödiantische Grundkonzept des Stückes.
Die zehn Geister der Familie freuen sich auf die Restaurierung – bis sie erfahren, dass die Grabpaten auch das Recht erhalten, später dort bestattet zu werden. Fremde im Familiengrab? Das geht den Wildenburgs zu weit und sie hoffen, dass den beiden ihr Projekt zu viel wird. Tatsächlich belasten die hohen Kosten und Davids berufliche Schwierigkeiten die Beziehung des jungen Paares. Beinahe geben Anna und David ihr Projekt auf. Bei einem nächtlichen Friedhofsbesuch finden sie jedoch ihre Begeisterung wieder. David startet sogar einen Internetkanal über die Restaurierung, der immer mehr Anhänger findet. Langsam beginnen auch die Geister zu erkennen, was sie an ihren Grabpaten haben.
Als eine unbekannte Familienchronik auftaucht und David ankündigt, daraus im Internet zu berichten, geraten die Wildenburgs in Panik. In einer nächtlichen Krisensitzung kommen ein gekaufter Titel, ein gefälschtes Testament, Brandstiftung, Erpressung und die wahre Herkunft eines angeblichen Neffen ans Licht. Doch dann stellt sich heraus: Der Verfasser der Chronik hat alle peinlichen Wahrheiten der Familie einfach weggelassen. Die Geister atmen auf – ihre Geheimnisse bleiben im Grab – während die in der Chronik verzeichneten Leistungen der Familie dank Davids Internetkanal weltweit bekannt werden.
Durch ihren Einsatz für das Grabmal und die Geschichte der Familie sind Anna und David für die Geister längst zu einem Teil der Familie geworden. Wilhelm erklärt sie schließlich sogar zu Wildenburgs ehrenhalber – und die Geister schmuggeln sich am Ende sogar auf das abschließende Familienfoto …



