
Ich, Magdalena
Solotheaterstück
Autor: Dr. med. Till M. MendlerInstrumentierung: keine
Besetzung: Damen 1
Dauer: 60–80 Min.
UA: 05.03.2027, Münster, Johanneskapelle
DE: 05.03.2027, Münster, Johanneskapelle
Cantus Empfehlung: „Ich, Magdalena“ zeigt mit ihrem Erscheinen in der Gegenwart einen provokativen und irritierenden, bisher nirgendwo sonst realisierten Blick auf eine und von einer Person, die oft dargestellt und interpretiert, aber kaum gehört wurde. Das Theaterstück gibt der Sünderin der Bibel, die als Hure beinahe gesteinigt wurde und sich unter dem Kreuz - wahnsinnig geworden - die Haare ausgerauft haben soll, ein neues Gesicht und eine wenig bekannte, aber wichtige Stimme: eine nachdenkliche, kluge Frau, die es innerlich zerreißt, weil die Kirche oft so wenig mit dem in Einklang zu bringen ist, was damals in Galiläa begann. Eine Zeugin der ersten Stunde, bis heute ungehört, weil nicht sein darf, was war: Sie war seine Geliebte, eine seiner Jünger.
Kurzbeschreibung
Das einaktige Stück stellt die biblische Maria Magdalena in den Mittelpunkt – allerdings nicht als historische Rekonstruktion und auch nicht als religiöses Lehrstück, sondern als zeitgenössische Theaterfigur, die sich ihre eigene Geschichte zurückholt.
In einer kleinen, verlassenen Kapelle begegnet Magdalena den stummen Zeugnissen einer zweitausendjährigen Überlieferung: Maria, Johannes, Paulus und dem Gekreuzigten. Sie spricht zu ihnen, konfrontiert sie, erinnert sich, zweifelt, ist wütend und verletzt – und blickt zugleich mit kritischer Distanz darauf, was aus ihrer Geschichte im Laufe der Jahrhunderte gemacht wurde.
„Ich, Magdalena“ gibt einer Frau ihre Stimme zurück – und stellt die Frage, wem eine Geschichte gehört, wenn andere sie über zweitausend Jahre lang erzählt haben.
Besetzung/Rollen/Charakter
Magdalena:
- Eine Frau etwa Mitte 30, offene längere Haare, weite Bluejeans, Sneaker, ein helles unifarbenes T-Shirt (oder Top), darüber eine schwarze Lederjacke;
- einen kleinen Rucksack über einer Schulter.
- Kein Nagellack, kein Schmuck außer einem schlichten Holzkreuz an einem Lederriemen als Halskette und vielleicht einem Ring / Armreif.
- Etwas scheu, intelligent, scharfzüngig, emotional, enttäuscht.
Bühnenbild/Inszenierung
Möglichst in einer echten Kapelle.
Eine leere kleine Kirche, Bühnenbild ist nur der Altarraum, vorne noch zwei Bänke, verschoben, ein schräg hängendes Kruzifix über dem Altar, alles stark verstaubt, im Verfall. Licht fällt sparsam schräg durch ein gesprungenes Fenster. Links steht eine Marienstatue mit Kind auf dem Arm, gut erhalten, etwas naiv wirkende Kunst. Rechts eine weitere Heiligenstatue, unklar, um wen genau es sich handeln soll. Auf dem Altar ein Kerzenleuchter mit einem Kerzenrest, alte Wachsflecken, auf dem Fußboden Schuttreste und ein paar Scherben.
Dauer: ca. 1 Stunde
Spielbar ab: sofort
Ausführliche Synopsis
Vorsichtig betritt Magdalena eine verlassene kleine Kapelle, die sich offensichtlich im Verfall befindet: Schutt und Staub liegen herum, das Kruzifix hängt schief, schon lange fand keiner mehr hierher. Sie sucht den Dialog mit dem stumm bleibenden Gekreuzigten, eröffnet das Gespräch mit ihrem Wunsch, sich zu trennen, Abschied zu nehmen und nicht mehr zurückzukehren. Stattdessen bleibt sie, taucht in ihre Erinnerungen ein und entwickelt ihre Sicht auf die Ereignisse damals in Galiläa.
Ihre Gedanken gehen zurück zu Simon, dem Fischer, der Überforderung der Jünger, der ausgelösten Unruhe unter der Bevölkerung und ihrer eigenen Geschichte als Tochter eines verwitweten Händlers am See Genezareth. Sie erzählt von ihrem Vater, ihrer Schwester Martha und, an eine Heiligenstatue gewandt, von Johannes, dem sogenannten Lieblingsjünger.
Ihre Rückschau wandert zu Judas, für den sie eine Lanze bricht, dann zu den Ereignissen unter dem Kreuz. Eine Marienstatue inspiriert sie dazu, sich mit der Mutter ihres Geliebten auseinanderzusetzen, anschließend gewährt sie einen kurzen Einblick in ihre spezielle Beziehung zu dem Nazarener.
In der Statue, die sie zunächst für Johannes gehalten hat, erkennt sie nun Paulus, in ihren Augen der eigentliche Gründer und fragwürdige Verformer der Kirche. Mit Resignation und Bitterkeit berichtet sie ihrem damaligen Rabbi von der Entwicklung, die das Christentum in den letzten 2000 Jahren genommen hat; am Ende kommt sie zu ihrem ursprünglichen Vorsatz zurück, zu der Einsicht, dass hier kein Platz für sie ist und dass es bitter, aber konsequent ist, Abschied zu nehmen und endgültig zu gehen. Ihre innere Zerrissenheit wird darin deutlich, dass sie dies am Ende beteuert, aber in der Bank sitzen bleibt, während langsam das Licht ausgeht.
Hörproben
Ich, Magdalena-Hörbuch (Spotify)
Musicalwerkstatt Münster – 2023 – 19 Songs – 1 Std. 2 min




